. .

Wenn ich Objekte aus ganz unterschiedlichen Epochen und Bereichen in meine Obhut nehmen kann, dann versuche ich sie zu entschlüsseln. Ich suche Antworten auf die Fragen, die sich mir stellen: Warum wurde der Schrank mit einem unverhältnismäßig großen Schloss gesichert? Was verbirgt sich unter der übermalten Stelle des Gemäldes? Welche Bedeutung hat das Wappen auf dem Rückenteil eines Kardinalsbettes? Jedes Objekt weiß etwas von den Menschen, die es hergestellt und die es auf seinem Weg begleitet haben. Heraldik, Warenkunde, Erfahrung und eine leidenschaftliche Hartnäckigkeit beim Entschlüsseln der Botschaften unter gelegentlicher Mithilfe von großen Museen, Restauratoren und Naturwissenschaftlern, führen zu den Antworten. Es ist nicht bloß die Neugierde, die mich treibt – sondern seine Geschichte zu entdecken heißt auch immer wieder, ein historisches Objekt neu zu beleben. 

So kann mir eine Kommode begegnen, die äußerlich ein verwahrlostes Wesen ist, aber sie fesselt meine Aufmerksamkeit mit der Form, wie sie die Beine setzt und mit ihrem „kessen Schösschen“! Ich fühle nach den Sägespuren, suche nach ihrem Stempel, nehme ihren ganz eigenen Geruch wahr. Es ist nicht nur fachliches Wissen, meine Suche ist auch eine sinnliche Passion. Je tiefer ich mich in eine kunsthistorische oder geschichtliche Epoche hineinbegebe, desto mehr sehe ich das Objekt in seiner Blütezeit, erahne die Räume, in denen es stand, lerne seine Besitzer kennen, fast schon höre ich das Rascheln der Gewänder…

Begegnen Sie bei mir dieser Kommode und sie spricht Sie an, so bin ich ihr Dolmetscher, erzähle, wer sie gebaut hat, welchen Weg sie gegangen ist. Durch Ihre Wertschätzung fällt es mir dann leicht, sie weiter zu geben. Weiterlesen ...

1234

  • Benedikt Korth
    Benedikt Korth